…zumindest, wenn es nach dem Schulleiter einer Hauptschule im oberösterreichischen Bezirk Wels-Land geht. Stein des Anstosses sind aber nicht leidenschaftliche Küsse zwischen verliebten gegengeschlechtlichen Schülern. Die Schulleitung stört sich vielmehr an den Begrüßungsküssen zwischen Schülerinnen. In einem Brief an die Eltern sprach er von einem “Ritual, das in seiner derzeitigen Form vom Schulforum abgelehnt wird”. Mit “derzeitiger Form” ist gemeint, das sich die Schülerinnen nicht nur auf die Wange, sondern zunehmend auch auf den Mund küssen.
Besonders viel Unterstützung bei dem Bestreben, diesem unzüchtigen Verhalten entgegen zu wirken, erhielt der Direktor bis jetzt allerdings nicht - eher im Gegenteil. Nicht nur die angeschriebenen Eltern und die Schülervertreter kritisierten das ausgesprochene “Kussverbot” sondern auch die Politik griff das Thema auf und sparte nicht mit Entrüstung und Unverständnis. Der oberösterreichische BZÖ-Landessprecher und Nationalratsabgeordneten Rainer Widmann bezeichnete das Verbot als “Mittelalterlich” und “eine unzulässige Einmischung der Schule in die Privatsphäre von Jugendlichen”. Vanessa Gaigg, Vorsitzende des Linzer AKS, sowie Gottfried Hirz, Bildungssprecher der oberösterreichischen Grünen äußerten sich ebenfalls kritisch gegenüber dem Kussverbot.
In Zeiten, in denen zunehmend über die Gewalt an Schulen berichtet wird, sollte man als Pädagoge vielleicht etwas toleranter und aufgeschlossener reagieren, wenn Jugendliche liebevoll miteinander umgehen. Es gibt durchaus schlimmeres, als ein paar Küsschen auf den Mund.
Quelle: DiePresse.com
